Nutzen von PROMs für die klinische Praxis
Unterstützung der klinischen Therapie- und Versorgungsprozesse (1)
Der Einsatz von PROMs kann zur Planung, Durchführung und Optimierung von Therapie und Versorgung sowie zu einem besseren Informationsfluss im multiprofessionellen Team beitragen, indem
- der Beratungs- und Versorgungsbedarf von Patient:innen erkannt wird
- Belastungen (z.B. Symptome) rechtzeitig erkannt und behandelt und dadurch Verschlechterungen vermieden werden
- die Effektivität von Gesprächen mit Patient:innen und anderen Gesundheitsfachpersonen durch die Fokussierung auf relevante Aspekte (z.B. starke Belastungen) erhöht wird.
Möglicher Nutzen im Verlauf der onkologischen Behandlung:
PRO-Daten können als Grundlage für die Planung und Entscheidungsfindung bezüglich der Behandlung dienen, z. B.:
Um den aktuellen Gesundheitszustand zu erfassen und individuelle Risikofaktoren zu identifizieren, die für die Planung und den Erfolg der Behandlung relevant sind
Beispiel: Ein PROM, das die aktuelle körperliche/psychische Leistungsfähigkeit und Symptome erfasst, um die möglichen Auswirkungen der Krebstherapie auf die Lebensqualität zu klären
Studien1,2 zeigen, dass PRO-Daten unabhängige Prädiktoren für wichtige klinische Endpunkte sind, wie:
- Notfallvorstellungen
- Tumorprogression
- Überleben
Um Shared Decision Making zu erleichtern (SDM, Definition)
Beispiel: Ein PROM mit Fragen zu den Wünschen und Präferenzen von Krebspatient:innen hinsichtlich der Lebensqualität, um ihre Perspektive in die Entscheidung über die Krebstherapie einzubeziehen
Studien zeigen3, dass PROMs das Gefühl der Patient:innen stärken können, Kontrolle über ihre Therapie und Versorgung zu haben.
PRO-Daten können genutzt werden, um den Therapieprozess zu überwachen, z. B.:
Um relevante Belastungen der Patient:innen zu identifizieren und individuelle unterstützende Maßnahmen einzuleiten
Beispiel: PROMs, die einen Rückgang der körperlichen Leistungsfähigkeit aufgrund einer chemotherapieinduzierten Fatigue zeigen, durch weitere Exploration bestätigt, was zur Einleitung psychoonkologischer Unterstützung und Physiotherapie führt
Studien4,5 zeigen, dass PROMs im onkologischen Setting zur Einleitung von mehr unterstützenden Maßnahmen führen und Häufigkeit und Schweregrad der Symptombelastung verringern können
Um die Effekte von Therapieänderungen und unterstützenden Maßnahmen zu bewerten
Beispiel: Tägliche PRO-Fragen zu Übelkeit/Erbrechen, um die Wirkung eines antiemetischen Managements während der Chemotherapie zu beurteilen
Studien6 zeigen, dass PROMs die Therapieadhärenz erhöhen können.
PRO-Daten können als Grundlage für die Planung und Entscheidungsfindung bezüglich der Nachsorge dienen, z. B.:
Um den aktuellen Gesundheitszustand zu erfassen und relevante Aspekte zu identifizieren, die nach der Behandlung zu berücksichtigen sind
Beispiel: PRO-Fragen zur sozialen Situation könnten zur Einleitung sozialer Unterstützung nach der Entlassung aus dem Krankenhaus führen
Studien4,5 zeigen, dass PROMs mit einer höheren Zufriedenheit von Krebspatient:innen mit ihrer Therapie und Versorgung verbunden sind. Zudem haben sie das Potenzial, die HRQOL während der gesamten Therapie zu verbessern oder zu erhalten.
PRO-Daten können genutzt werden, um den Gesundheitszustand zu überwachen in Zeiträumen mit weniger klinischem Kontakt, z. B.:
Um relevante Probleme zu identifizieren und rechtzeitig adäquate Maßnahmen einzuleiten
Beispiel: Wöchentlich von zu Hause aus elektronisch erhobene PRO-Daten ermöglichen es, die Entwicklung der körperlichen Leistungsfähigkeit nach der Chemotherapie zu überwachen, Tendenzen bei monatlichen Routineterminen zu besprechen und ein mögliches Wiederauftreten des Tumors frühzeitig zu erkennen
Studien6 zeigen, dass PROMs das Potenzial haben, die Zahl ungeplanter Krankenhausaufenthalte zu senken und die Überlebenswahrscheinlichkeit zu erhöhen.
1Badaoui, Kichenadasse, Rowland, Sorich, & Hopkins, 2021; 2Barbera et al., 2013; 3Snyder et al., 2013, 4Kotronoulas et al. 2014; 5Graupner et al., 2021; 6Basch et al., 2016; Chen, Ou, & Hollis, 2013; Efficace et al., 2021; ; Yang, Manhas, Howard, & Olson, 2018