EORTC E-Learning

Interpretation von Patient-Reported-Outcome-Daten

EORTC QOL-Schwellenwerte für klinische Bedeutsamkeit (thresholds for clinical importance; TCIs)

Definition

Ein Schwellenwert liefert Informationen darüber, wann ein Symptom/eine Funktionsbeeinträchtigung klinisch bedeutsam ist und von den Gesundheitsfachpersonen mit den Patient:innen besprochen werden muss. Die Schwellenwerte für klinische Bedeutsamkeit (thresholds for clinical importance; TCIs) können zwischen den Skalen variieren.

Beispiel

Anwendung

  • klinische Praxis und Forschung
  • Daten auf Individual- und Gruppenebene
  • Screening und Monitoring
  • einfache Interpretation der Skalen durch Einteilung in zwei Kategorien (klinisch bedeutsam/nicht bedeutsam)
  • unabhängig von Gruppen von Krebspatient:innen (z. B. Alter, Geschlecht, Diagnose)

Einschränkungen

  • unterscheidet nicht nach Schweregrad, daher ist eine zusätzliche klinische Interpretation des genauen Wertes erforderlich
  • kontextbezogene Faktoren müssen berücksichtigt werden, z. B. die persönlichen Umstände der Patient:innen, Komorbiditäten

Verfügbare Schwellenwerte

Es gibt etablierte TCIs für den

  • EORTC Quality of Life-Kernfragebogen (EORTC QLQ-C30)
  • EORTC-Fragebogen zur Lebensqualität von Patient:innen in der palliativen Krebsversorgung (EORTC QLQ-C15-PAL)
  • EORTC-Kernfragebogen für Computeradaptives Testen (EORTC CAT Core)
  • EORTC-Zusatzmodule (Stand Juni 2026):
    • publiziert: QLQ-FA12 (Fatigue)
    • derzeit in Publikation: QLQ-LC29 (Lunge), QLQ-PR25 (Prostata),  QLQ-ELD14 (ältere Krebspatient:innen), QLQ-CR29 (Kolorektal)
    • derzeit in Entwicklung: QLQ-EN24 (Endometrium), QLQ-H&N43 (Kopf/Hals), QLQ-OV28 (Eierstockkrebs).

Entwicklung

Die Entwicklung der Schwellenwerte basierte auf den Angaben von Patient:innen. Es wurden drei entscheidende Faktoren (Anker) definiert, die geeignet sind, um in der täglichen klinischen Praxis Patient:innen mit und ohne weiteren Unterstützungsbedarf zu unterscheiden.

Während der vergangenen Woche:

  1. Hat Ihr [Symptom/Problem] Ihr tägliches Leben eingeschränkt?
  2. Haben Sie aufgrund Ihres [Symptoms/Problems] jemals Hilfe oder Unterstützung benötigt?
  3. Hat Ihr [Symptom/Problem] dazu geführt, dass Sie oder Ihre Familie/Ihr:e Partner:in sich Sorgen gemacht haben?

Wenn Patient:innen bei mindestens einem dieser Anker-Items mit „ziemlich“ oder „sehr“ antworten, wird die Symptombelastung der Patient:innen als klinisch bedeutsam eingestuft (d. h. als ein klinisch bedeutsames Problem/Symptom).

Ausführliche Details finden Sie in „A cross-cultural convergent parallel mixed methods study of what makes a cancer-related symptom or functional health problem clinically important“: Link


Giesinger & Lehmann, 2022; Giesinger et al. 2020; Wintner et al. 2016; King, 2011