From Bench to Bedside: Beispiele aus der klinischen Praxis
Beispiel 7: Krebszentrum Oberösterreich (Tumorzentrum Oberösterreich), Österreich - Krankenhausnetzwerk
Hintergrund
Das Krebszentrum Oberösterreich, Österreich, ist ein Netzwerk von 13 Krankenhäusern in einer Region mit 1,5 Millionen Einwohner:innen (www.tumorzentrum.at). Jedes Jahr wird bei rund 10.000 Menschen in der Region Krebs neu diagnostiziert. Tumormerkmale, Behandlung und Langzeitergebnisse werden in einer krankenhausübergreifenden Datenbank erfasst. Die Vorbereitungen für die elektronische Erfassung von patient-reported outcome measures (ePROM) begannen 2021, und im März 2024 wurde das Go-Live in einer Abteilung eines Krankenhauses gestartet (www.onkip.at). Es ist geplant, die Daten aus den Tumordaten und den ePROMs zu verknüpfen.
Dr. Weltermann ist ärztlicher Direktor des Tumorzentrums Oberösterreich. Er war der Initiator und Leiter des Projekts zur Erfassung von ePROMs im Krankenhausnetzwerk.Workflow: Das ePRO wird einen Tag vor dem Krankenhausbesuch ausgefüllt (zu Hause oder unterwegs), um dem Versorgungsteam vor der Konsultation Informationen zu Symptomen, Funktion und Lebensqualität bereitzustellen. Die Daten werden in das Krankenhausinformationssystem übertragen und stehen den Behandelnden unmittelbar zur Verfügung. Die Fragen sind auf Erkrankung, Behandlung sowie die Zeit seit Behandlungsbeginn zugeschnitten und konzentrieren sich für die Routineversorgung vor allem auf Symptome und Funktion. Fragen zur Lebensqualität werden seltener gestellt.
Patient:innen können ihre Antworten in ihrem Portal einsehen (www.onkip.at) und erhalten maßgeschneiderte Selbstmanagement-Empfehlungen (z. B. bei Mundtrockenheit nach einer Chemotherapie), was das Empowerment der Patient:innen unterstützt.
Zielgruppen: Das ePRO soll allen Patient:innen im Tumorzentrum Oberösterreich, einem Netzwerk von 13 Krankenhäusern, unabhängig von Diagnose und Behandlungssetting angeboten werden.Das Fragenset baut auf dem EORTLQ-C30 auf und ergänzt klinisch relevante Symptom-Items aus der EORTC Item Library. Krankheitsspezifische Items werden von Expert:innenteams definiert, neben einem Kernset, das für alle Patient:innen verwendet wird.
Seit dem Go-Live (Q1/2024) testen wir das Set für Patient:innen nach allogener Stammzelltransplantation. Weitere Sets befinden sich in Entwicklung.
PROM-Software: Wir nutzen für unsere Anwendung die CHES-Software von ESD (Evaluation Software Development).
Individuelle Einrichtung: Die:der behandelnde Ärzt:in richtet das krankheitsspezifische Portal und den geplanten Behandlungspfad ein und aktualisiert ihn bei Bedarf, sodass CHES die korrekten Fragebögen automatisch in vordefinierten Abständen ausliefern kann (z. B. Nachsorge: alle 3 Monate in den Jahren 1–2 nach der Behandlung, alle 6 Monate in den Jahren 2–5, danach jährlich).
Kein zusätzliches Personal: Es wurde festgelegt, dass für die Nutzung des Systems kein zusätzliches Personal erforderlich ist, und die Materialien wurden so gestaltet, dass Patient:innen die Erfassungen eigenständig oder mit Hilfe von Angehörigen ausfüllen können.
Datenspeicherung und Zugang: Behandelnde greifen direkt über das Krankenhausinformationssystem auf die Antworten zu (patient:innenspezifischer Link), wobei die Ergebnisse in einem benutzerfreundlichen visuellen Format dargestellt werden. Die PRO-Daten gehören zunächst der:dem Patient:in; die:der Ärzt:in sieht sie durch und bestätigt sie gemeinsam mit der:dem Patient:in, woraufhin sie Teil der Krankenakte werden. Die Daten werden auf einem Krankenhausserver gespeichert.
Vor der Aktivierung in einer Abteilung muss eine 23-Punkte-Checkliste abgearbeitet werden, einschließlich verpflichtender Schulungen des Personals über alle beteiligten Berufsgruppen hinweg. Es wurden berufsgruppenspezifische E-Learning-Materialien entwickelt, und die Interpretation der PROs wird in der Schulung behandelt.
Die Daten können von Ärzt:innen, Pflegeexpert:innen und Psycholog:innen mit der:dem Patient:in besprochen werden. Nur die:der Ärzt:in ist befugt, die Daten freizugeben, sodass sie Teil der Krankengeschichte werden.
- Empowerment der Patient:innen: Das Portal bietet Informationen dazu, was Patient:innen selbst tun können, um Beschwerden zu lindern oder vorzubeugen.
- Klinische Nachverfolgung: Die ePRO-Ergebnisse werden mit der:dem Patient:in besprochen und geeignete Maßnahmen eingeleitet.
Patient:innen können ihre Antworten im Portal einsehen, das zudem Informationen bereitstellt, um Symptome zu vermeiden oder zu verringern. Das System ist kein Rückruf-/Recall-Dienst: Patient:innen werden angewiesen, bei Bedarf an rascher Hilfe direkt ihre:n Hausärzt:in, das Krankenhaus oder den Rettungsdienst zu kontaktieren.
Kein zusätzlicher Arbeitsaufwand: Über alle Berufsgruppen hinweg besteht die größte Hürde darin, ePROs so in den Praxisalltag zu integrieren, dass sie keine zusätzliche Zeit beanspruchen, sondern den Arbeitsaufwand idealerweise verringern. Dies muss in Schulungen ausdrücklich angesprochen und eingeübt werden; wenn das Personal ePROs als Mehrarbeit erlebt, wird das System nicht akzeptiert.
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