Implementierung der PRO-Erfassung in die klinische Praxis
Einbindung relevanter Interessengruppen (2)
Interessenvertreter:innen haben unterschiedliche Rollen und Prioritäten. Die Einbindung aller relevanten Gruppen hilft dabei, konkurrierende Interessen sichtbar zu machen und praktikable Lösungen zu finden.
Schlüsselgruppen für die Implementierung der PRO-Erfassung:
- Rolle: in erster Linie das Ausfüllen von PROMs; können PRO-Daten ggf. für das Selbstmanagement nutzen.
- Bedürfnisse: Relevanz der PROMs, einfache Handhabung, minimale Belastung beim Ausfüllen.
- Herausforderungen:
- Zweifel am Nutzen
- Bedenken hinsichtlich der Form (z. B. Technologie, Datensicherheit)
- körperliche/kognitive Beeinträchtigungen
- hohe Symptombelastung.
- Strategien zur Einbindung:
- kurze, klare Einführung als Teil der Regelversorgung (was/warum/wie; Raum für Fragen)
- unterstützende Materialien (z. B. zu Zweck, Handhabung, Datenschutz).
- relevante, präzise und benutzerfreundliche PRO-Erfassung
- am wichtigsten: nutzen Sie die Daten – nehmen Sie PROs ernst, besprechen Sie diese und handeln Sie danach! (PRO-basierte klinische Kommunikation: Kapitel 8, PRO-basierte Einleitung klinischer Interventionen: Kapitel 9).
- Rolle:
- Entscheidung über/Genehmigung von Umfang/Form, Ressourcen, Anschaffungen, Verantwortlichkeiten der Implementierung
- relevant für die Motivation aller Beteiligten.
- Bedürfnisse: Verständnis des PROM-Konzepts/-Werts/-Nutzens, der vorgesehenen Integration in den Arbeitsablauf und der Durchführbarkeit.
- Herausforderungen:
- begrenztes PROM-Wissen
- Zweifel an Wert/Nutzen im Verhältnis zu den Kosten
- konkurrierende Prioritäten
- Zurückhaltung bei der Finanzierung unsicherer Projekte.
- Strategien zur Einbindung:
- frühzeitige Information einschließlich maßgeschneiderter Begründung und grober Vorstellung des Arbeitsablaufs
- Erkundung und Adressierung ihrer Erwartungen
- Bestätigung der Relevanz von Unterstützung und Genehmigung
Gesundheitsfachpersonen
- Rolle: Hauptnutzende, die
- Patient:innen über PROMs informieren
- PRO-Daten für Kommunikation und klinische Entscheidungen nutzen
- Setting-spezifische Arbeitsabläufe kennen und von Veränderungen betroffen sind.
- Bedürfnisse:
- Verständnis von PROMs und ihrem Nutzen
- Wahrnehmung der Relevanz und Nutzbarkeit der PRO-Daten für die eigene Praxis
- Überzeugung von der Durchführbarkeit und Integration in die Arbeitsabläufe
- Kompetenz in PRO-Erfassung
- Kompetenz in Kommunikation und klinischer Nutzung von PRO-Daten
- Herausforderungen:
- hohe Arbeitsbelastung
- begrenztes Wissen (Nutzen, Interpretation)
- negative Einstellungen
- Zurückhaltung gegenüber der Änderung von Routinen.
- Strategien zur Einbindung:
- offene Diskussion
- Einbindung in zentrale Entscheidungen (Ziele, PROM-Auswahl, Form, Verantwortlichkeiten)
- Information/Schulung (Schritt 6)
- Minimierung der Arbeitsbelastung (Einbettung in Routinen, unterstützendes Personal, einfache Logins, einfache Bedienbarkeit);
- Förderung und Einbindung besonders motivierter Gesundheitsfachpersonen als klinische "Champions" (Wegbereiter:innen), um die PROM-Nutzung vorzuleben und Kolleg:innen zu motivieren.
Verwaltungsverantwortliche
- Rolle: Ermöglichung der Integration in Infrastruktur und Prozessen (Software/Geräte, Interoperabilität, Sicherheit).
- Bedürfnisse: Verständnis von
- Zweck und Nutzen der PRO-Erfassung,
- Anforderungen an den Arbeitsablauf, Durchführbarkeit und Auswirkungen auf bestehende Systeme.
- Herausforderungen:
- begrenzte Zeit
- begrenztes PROM-Wissen
- Bedenken hinsichtlich Arbeitsbelastung/Priorität.
- Strategien zur Einbindung:
- frühzeitige Einbindung in Entscheidungen zu Arbeitsablauf und Beschaffung
- klare Definition der Verantwortlichkeiten
- angemessene Zuweisung von Ressourcen.
Falls verfügbar, sollten Personen mit vorheriger Erfahrung in der Implementierung von PROMs eingebunden werden, insbesondere zur Begleitung des Planungsprozesses.
Antunes, Harding, Higginson, & EUROIMPACT, 2014; E. Basch et al., 2012; Ethan Basch, Rogak, & Dueck, 2016; Nordhausen et al., 2022; Skivington et al., 2021; Snyder et al., 2012; Wintner et al., 2016; ISOQOL, 2015