Implementierung der PRO-Erfassung in die klinische Praxis
2. Ziel(e) und Umfang festlegen
Die Ziele sollten Setting-spezifische Bedürfnisse und erwartete Vorteile, bestehende Voraussetzungen/Ressourcen sowie die übergeordnete Strategie der Organisation widerspiegeln. Sie müssen messbar und innerhalb eines definierten Zeitrahmens realistisch erreichbar sein.
Typische Zielbereiche umfassen:
Identifikation und/oder Monitoring klinisch relevanter Problembereiche, um
- Bedarfe zu identifizieren mit dem Ziel, die Versorgung einzelner Patient:innen zu optimieren
- die Kommunikation zwischen Patient:innen und medizinischen Fachkräften sowie die interprofessionelle Kommunikation zu strukturieren
- klinische Entscheidungen (Therapie/supportive Versorgung) zu unterstützen
- das Selbstmanagement der Patient:innen zu unterstützen.
Stationäre Klinik für Strahlentherapie:
Nach einer Implementierungsphase von drei Jahren füllen 80 % aller neu aufgenommenen Patient:innen routinemäßig den elektronisch erfassten EORTC QLQ-C30 zu Therapiebeginn aus, um die frühzeitige Bereitstellung supportiver medizinischer Interventionen zu optimieren.
Der Umfang beschreibt, wo/für wen PROs erfasst werden (z. B. einzelne Station/Klinik, gesamte Organisation). Er sollte zu Ihren Zielen und Ressourcen passen.
Angesichts der Komplexität der Einführung neuer Verfahren sollten Sie mit einem kleinen, erweiterbaren Pilotprojekt (zum Beispiel einer einzelnen Einheit oder Klinik) beginnen statt mit einer breiten Implementierung. Dies bündelt Ressourcen und vermeidet Überforderung, insbesondere wenn die PRO-Erfassung neu ist. Erkenntnisse aus dem Pilotprojekt können die breitere Implementierung leiten.
Beispiel 1 – Eine Klinik: Beginnen Sie mit der Implementierung der elektronischen PRO-Erfassung in einer einzelnen Klinik, um die notwendige IT-Infrastruktur aufzubauen und sie in das klinische System zu integrieren. Sobald das System in einer Klinik erfolgreich eingerichtet und in Betrieb ist, kann es leichter in anderen Kliniken repliziert werden.
Beispiel 2 – Eine Patient:innengruppe: Beginnen Sie bei der touchscreen-basierten elektronischen PRO-Erfassung mit Patient:innen, die bereits sicher im Umgang mit digitalen Geräten sind. So können Sie die Technologie und Arbeitsabläufe für eine bessere Benutzerfreundlichkeit verfeinern, bevor Sie eine breite Implementierung durchführen.
Praxisbeispiele für Ziele und Umfänge finden Sie in Kapitel 11.
Antunes, Harding, Higginson, & EUROIMPACT, 2014; E. Basch et al., 2012; Ethan Basch, Rogak, & Dueck, 2016; Nordhausen et al., 2022; Skivington et al., 2021; Snyder et al., 2012; Wintner et al., 2016; ISOQOL, 2015