PRO-basierte klinische Kommunikation
Interkulturelle Kommunikation (2)
Bevormundung (kulturelle Praktiken im Gespräch „korrigieren“)
In manchen Kulturen sprechen Männer für ihre Ehefrauen. Das klinische Gespräch ist nicht der geeignete Rahmen, um das zu ändern.
Seien Sie tolerant
Respektieren Sie Unterschiede; stellen Sie die Patient:innen in den Mittelpunkt und sorgen Sie nach Möglichkeit dafür, dass die Patient:innen die PROMs selbst beantworten. Achten Sie darauf, die Patient:innen durch Augenkontakt in die Kommunikation einzubeziehen.
Sprachbarrieren und Wissenslücken ignorieren
Bei der Versorgung von Patient:innen aus anderen Kulturen reicht das medizinische Wissen allein manchmal nicht aus. Möglicherweise müssen Sie Expert:innen mit Kenntnissen über die jeweilige Kultur und/oder Sprachkenntnissen hinzuziehen.
Muttersprache bereitstellen, Unterstützung einholen
Stellen Sie PROMs nach Möglichkeit in der Muttersprache der Patient:innen bereit. Ziehen Sie eine:n Dolmetscher:in hinzu, der:die für die Sprachmittlung im Gesundheitswesen qualifiziert ist, oder Familienmitglieder, sofern verfügbar und geeignet. Achten Sie darauf, die Patient:innen weiterhin in das Gespräch einzubeziehen (Augenkontakt, Körpersprache).
Medizinische Fachsprache verwenden
Selbst wenn jemand die Alltagssprache beherrscht, kann das Verständnis von medizinischer Information, Diagnose usw. schwierig sein, besonders in einer emotional belastenden Situation.
Sprache anpassen
Verwenden Sie einfache Sprache; erklären Sie; verlangsamen Sie das Tempo in emotional belastenden Situationen.
Informationsüberflutung und begrenztes Verständnis
Patient:innen können über unterschiedliches Wissen zu den Themen verfügen und unterschiedliche Informationsbedürfnisse haben. Vermeiden Sie die Frage „Haben Sie das verstanden?“, da die Antwort aus sozialer Erwünschtheit und Schüchternheit bejahend ausfallen könnte.
Informationen anpassen und gegenseitiges Verständnis sicherstellen
Erkunden Sie die Informationsbedürfnisse, geben Sie Informationen in kleinen Portionen; machen Sie Pausen; laden Sie zu Fragen ein, passen Sie Umfang und Inhalt der Informationen an die individuellen Bedürfnisse an.
Vergewissern Sie sich, dass der:die Patient:in verstanden hat, was besprochen wurde, indem Sie darum bitten, die Information oder Anweisung zu wiederholen.
Annehmen, dass alle Patient:innen ähnlich kommunizieren
In vielen Kulturen ist es üblich, indirekt zu kommunizieren. In manchen Kulturen gilt es als unangemessen und respektlos, eine Empfehlung einer Autoritätsperson (z. B. eines:einer Ärzt:in) zu missachten. Zweifel und Unwille werden aus Höflichkeitsgründen nur indirekt oder gar nicht geäußert.
In manchen Kulturen gehört es zum guten Ton, andere nicht mit den eigenen Gefühlen zu belasten. Das kann sich auf das Beantworten von PROMs und/oder das Besprechen der PRO-Daten auswirken.
Kommunikationsgrundlage klären, aufmerksam zuhören und gezielt nachfragen
Stellen Sie offene und spezifische Fragen.
Es ist sinnvoll, behutsam nach weiteren Informationen und der Bedeutung des Gesagten zu fragen. Sie könnten sagen: „Ich weiß nicht viel über Ihr Land. Was bedeutet es für Sie normalerweise, wenn XY passiert?“ Seien Sie sensibel gegenüber Unterschieden im Ausdruck des eigenen Befindens der Patient:innen.
Interpretieren Sie Schweigen/Höflichkeit nicht als Zustimmung; laden Sie ausdrücklich dazu ein, Bedenken zu äußern; achten Sie auf non-verbale Kommunikation und Körpersprache, informieren Sie sich im Vorfeld über kulturelle Besonderheiten und/oder seien Sie sensibel für mögliche Unterschiede (z. B. ist in manchen Kulturen Kopfschütteln ein Zeichen der Zustimmung).
- Wie sind die Reaktion, der Tonfall, die Wortwahl und der Gesichtsausdruck des:der Patient:in?
- Oder schweigt er:sie?
Dimitrova et al. 2022; Schultz, Alvarez & Nikendei 2018; Surbone 2006; Von Bose 2021; Thomas & Malhi 2017; Teal & Street 2009